3. Mai 2010

EBC (Everest Base Camp)


Unser Ziel war, die hochalpine Bergwelt moeglichst intensiv zu erleben. Unsere Basis dafuer war eine ernsthafte Akklimatisierung, fuer die wir viel Zeit investiert haben. Unsere Geduld hat sich aber gelohnt denn wir konnten all unsere Plaene realisieren und geniessen.

Von Pauschalreisegruppen, die oft nur 18 Tage fuer die Bergtour zur Verfuegung haben erfahren wir unterdessen, dass gerne auf die "Akklimatisierungshilfe" Diamox zurueckgegriffen wird, teilweise schon prophylaktisch ab Landung in Lukla. Wir haben die duenne Luft ohne Doping weggesteckt und hatten eher mit Beinproblemen (Muskel und Knie)oder Durchfall(Jo)zu kaempfen, da haben unsere Profelan Salbe, ET und Cipro gute Dienste geleistet.








So verbringen wir den gesamten April in der Everest Region. Wir spueren, dass diese 4Wochen mit den unvergesslichen Ausblicken in der einzigartigen Bergwelt, mit den Abenteuern auf den Paessen und Gletschern, den Abenden an den Feueroefen der Lodges eine ganz besondere Station auf unserer Tour darstellen.
Unser Everest Trek 03.04. - 02.05.2010 in Zahlen:
Paesse = 7 Stueck (bis 5420 Meter)
Gipfel = Chukung Ri 5420, Kala Pattar 5554, Gokyo Ri 5340 Meter.
Lodges = 18 verschiedene
Zeltplaetze = 5
Verluste = 1 gebrochene Guertelschnalle, 1 durchgescheuerte Bluse, zahlreiche abgespeckte Pfunde.
Gewinne = 1 Vollbart, 1000 Fotos, Respekt vor der Natur, unvergessliche Impressionen.
Gesamtstrecke = alle Steigungen zusammengerechnet haben wir eine Bergstrecke von 16890 Hoehenmetern erklommen ...

22. April 2010

Face to face

Bericht aus einem Internetcafe auf 5170m: Wir haben heute unseren zweiten 5000er, Kala Pattar, bestiegen. Der Summit hat uns face to face zum Mt. Everest, keine 10km entfernt, gebracht. Uns standen vor Freude die Traenen in den Augen. Wir sind tief geruehrt von der unglaublichen Natur hier oben und wie sich das in Nepal gehoert haben wir Gebetsfahnen mit unserem Motto 24insideout und Andenken an unsere Familien aufgeheangt. Die letzten Tagen waren wir intensiv mit der Aklimatisierung beschaeftigt. Die empfohlene Fluessigkeitzufuhr von 4L ist gar nicht so leicht reinzukriegen, denn es gibt hier kein Wasser oder es ist dreckig von Landwirtschaft und Tourismus. Die Konsequenz, das Trinkwasser wird zu Fuss in mehreren Tagesmaerschen von Traegern hereingeschleppt, wie alles hier. Ansonsten ist Micropur, Katadynfilter oder abkochen ueberlebenswichtig. Ueber Waschen, Duschen, Toilette und wo man noch so ueberall Wasser benutzt wollen wir an dieser Stelle besser nicht sprechen...

14. April 2010

Gruesse von ganz oben

Internetcafe in Namche Bazar, was haben wir in der letzten Woche getrieben? Ostersamstag von Kathmandu 7h Busfahrt bis zum Ende der befahrbaren Piste in Jiri, am Sonntag ging es dann in 10 Tagen zu Fuss ueber zahlreiche Bergdoerfer nach Namche. Die erste Etappe im Himalaya ist also geschafft und wir sind gluecklich, dass wir diesen Weg gemacht haben. Leider koennen wir hier nur kurz berichten, z.B. von unserem Zeltplatz auf dem Gelaende des buddhistischen Trakshindo Klosters, wo uns der Lama persoenlich begruesste, uns seine Heiligtuemer zeigte und nebenbei unser Zelt bewunderte. Man macht hier gerne "Werbung" fuer die Religion, das gehoert dazu.

Unser Alltag beginnt ansonsten um 5:45 Uhr, damit wir gegen 6:30 loslaufen koennen. Nach 10 Stunden incl. Pausen muessen wir ein Bett suchen, oder unser Zelt aufbauen, was wir 5 Naechte gemacht haben, bevor es um 19h dunkel ist, Schlafen gehts 9 oder 10.

Der Everest ist jetzt zum Greifen nah und wir werden vor dieser beeindruckenden Kulisse von 8000ern noch ca. 4 Wochen trecken. Unser Besuch heute in der 3800 Meter hoch gelegenen Khunde Klinik, die von der Hillary Foundation mit 2 regionalen Aerzten betrieben wird, hat uns darin bestaerkt. Wir haben mit dem Arzt nicht nur ueber Medikamente und Labordiagnostik gesprochen, sondern bei uns auch eine Sauerstoffsaettigung von ueber 90% gemessen - der Arzt war beeindruckt. Wir haben die Bestaetigung, das sich die 10 Tage Strapazen im Vergleich zu einem 30 minuetigen Einflug gelohnt haben, jetzt wollen wir die Bergwelt geniessen...

2. April 2010

Please Please


Ali und Khem sind die Brueder mit den 2 Hostels, die uns die Ankunft in Kathmandu so entspannt wie moeglich gemacht haben. Das war auch noetig, nachdem unser Jet beim Landeanflug erstmal in die Warteschleife gehen musste, da genau zwischen unserer Position und dem Airport ein Gewitter tobte. Im Dunkeln, auf regennasser Piste hat der Captain die Maschine dann sicher gelandet, da waren ihm 400 Passagiere aus Abu Dhabi sehr dankbar. Wie ein Dejavu zur Ankunft in Quito hatten sie auch in Kathmandu gerade den Strom abgeschaltet, weggekomen ist nichts. Die Leute hier sind super freundlich und hilfsbereit, nur muss man wissen, dass Problemloesungen voellig anders als bei uns ablaufen. Da muessen wir nach unserem Zwischstop in der Heimat erst wieder locker werden. Nachdem wir z.B. die ganze Stadt erfolglos nach brauchbarem Spiritus fuer unseren Campingkocher abgesucht hatten, kam uns am Eingang der Uni die Schnapsidee es doch mal im Fachbereich Chemie zu probieren. Schnell hat sich ein Student unserem Problem angenommen und kurz darauf sassen wir mit dem Dekan und 6 Profs im Lehrerzimmer beim Tee. Nach gut 2h hatten wir unser Methanol, unsere Geschichte erzaehlt, viel ueber die Uni erfahren und einen Abschlussstudenten, der uns die ganze Stadt zeigen wollte. So verbrachten wir 3 Tage, um unsere Tour in den Mount Everest Nationalpark vorzubereiten, die wir Samstag im Ueberlandbus starten werden. Unsere Route liegt jenseits befahrbarer Strassen in einer Welt der Gebetsfahnen, Kloester und Yaks. Wir muessen damit rechnen, dass wir keinem Internet begegnen - du darfst also gespannt sein, wann wir uns wieder melden. Von Jiri geht es ueber Lukla nach Namche, wo wir eine Runde drehen wollen, das kann insgesamt schon 1,5 Monate dauern, zurueck ist ein Flug ab Lukla geplant.

25. März 2010

Abschied in Buenos Aires

... kommt anders, als man denkt. Diesen Post schreiben wir aus Deutschland. Eigentlich war geplant von Buenos Aires ueber Madrid, Frankfurt, Abu Dhabi nach Kathmandu zu fliegen - Zwischenstop in Frankfurt 24 Stunden. Daraus wurde 1 Woche, da ich schon in BA tagelang Fieber hatte und in diesem Zustand nicht in Nepal ankommen wollte. Inzwischen ist das Fieber runter, also gehts Montag weiter. Da in BA gerade eine Dengue Epidemie umgeht hat mich Kinga zur extra eingerichteten Ambulanz geschleppt. Dort haben sie ganz unaufgeregt Blut abgenommen. Ergebnis: kein Dengue, also Glueck gehabt. Trotzdem hat die Stadt ein Problem, da inzwischen 60% der Flaeche mit der Uebertraegermuecke verseucht sind. Das sieht man auch an den vielen eklig juckenden Moskitostichen.
Davon abgesehen bildet BA fuer uns im Vergleich zu Quito, Lima und Santiago eine Klasse fuer sich. Die mit Abstand groesste und lebendigste Stadt unserer Tour. Eine mittelgrosse Durchgangsstrasse ist 6-spurig, 10 km lang, kerzengerade mit Hausnummern von 1 bis 12000 und man braucht per Bus 2h von Anfang bis Ende. Leider war Kinga viel alleine unterwegs, aber abends haben wir uns zusammen immer argentinisches Steak oder leckere Pizza gegoennt. Ueberall gibt es gemuetliche Cafes und nachmittags herrscht strenge Siesta. In kurzer Zeit haben wir viel gelernt ueber die Probleme der Buerger, die noch bis 1983 unter einer Militaerdiktatur mit ueber 30000 Verschwundenen usw. leiden mussten, obwohl Argentinien sich eigentlich mit Peron und seiner Frau Evita schon Anfang 1950 vorbildlich demokratisch entwickelt hatte. Von Studenten erfahren wir, dass die heutige Praesidentin Kirchner sich eher um ihre Schoenheitsoperationen, die der Staat bezahlt, als um ihre politischen Pflichten kuemmert. Am End wird 2011 wieder ihr Ehemann Nestor zum Praesidenten gewaehlt - bleibt alles in der Familie.
Im Rueckspiegel haben wir mit Ecuador, Peru, Chile und Argentinien 4 bedeutende Laender kennengelernt, die sich alle irgendwann aus spanischer Kolonialherrschaft befreit haben. Betrachtet man die Gemeinsamkeiten kommt man nach der Sprache und der Liebe zum Fussball schnell ins Stocken, denn zu unterschiedlich sind die Menschen und Landschaften dieser Laender. In BA z.B. gab es auf der Strasse jeden Tag eine andere Demo oder Streik, wo es temperamentvoll abging. Diese Streitkultur ist uns in Ecuador null begegnet, stattdessen geht man zurueckhaltend jedem Konflikt wortwoertlich aus dem Wege. Umso couragierter geht es ueber alle Schichten in Peru zur Sache, leider im negativen Sinne d.h. mit einer unangenehmen Aufdringlichkeit hat hier der Tourismus unserer Meinung nach die haertesten Spuren hinterlassen. In allen Laendern hat die Polizei ein Autoritaetsproblem, wie nicht zuletzt die Pluenderungen in Chile gezeigt haben. Glaubt man den Tageszeitungen dann wird mit Personalaufstockung, Ausbildung, Antikorruption und neuen Einrichtungen gegengesteuert und die aktuelle Polizeipraesenz (in Ecuador und Peru sogar Militaer) in den Staedten ist unuebersehbar. Verglichen mit Berichten der letzten 18 Monate, haben wir den Eindruck, dass wir die ersten positiven Effekte spueren durften. Die Taxis und die Fahrten rund um den Flughafen waren in Lima kein Problem mehr, ebenso die frueher als gefaehrlich eingestuften Touristenbezirke in der Altstadt von Quito und Lima. Gleiches gilt fuer Busfahrer, mit denen wir ueberall auf mehreren 1000 Kilometern durch Suedamerika Glueck hatten. Den Busfahrer, der sich vor jedem Ueberholvorgang bekreuzigt kennen wir nur aus Erzaehlungen, uns ist er nicht begegnet. Die freundlichen Busbegleiter "... a Quito, a Quito!" fehlten uns schon in Argentinien, wo ein langweiliger Automat ihren Job uebernommen hat. Apropos Automat, wir haben unsere gesamte Bargeldversorgung erfolgreich ueber Geldautomaten abgewickelt, ohne jemals angemacht worden zu sein oder einer Skimmingfalle zu begegnen, das passiert wohl eher in Deutschland. Wir werden oft gefragt, wo hat es euch denn am besten gefallen? Schwierig, eigentlich auch uns selbst gegenueber nicht fair zu beantworten, da jedes Land einen ganz individuellen Charme hat. Soviel wissen wir schon, genug haben wir noch lange nicht von Suedamerika. Unter Vorbehalt liegt Ecuador vorn, auch weil wir hier mit Galapagos, Dschungel, Ingapircatrail und Beach noch etliche Ziele nachholen wollen. Ausserdem liegt auf unserer Rankingliste der besten Unterkuenfte .hostaltiana.com in Latacunga, Ecuador auf Platz 2 und ihr wisst schon auf Platz 1 einstimmig unser Hilleberg Zelt.

14. März 2010

Atlantik

Auf der letzten Etappe in Suedamerika geht es entlang der Ostkueste Argentiniens nach Norden. Wir koennen noch gar nicht begreifen, dass wir naechste Woche wegmuessen und fragen uns wie und wann wir das Erlebte wohl verarbeiten koennen. Kinga hat mir dazu vor Kurzem am Strand von Puerto Madryn eine Frage gestellt, die unser Selbstverstaendnis ganz gut widerspiegelt: Wuerde dir etwas fehlen, wenn du das nicht erlebt haettest? z.B. unseren Zwischenstop 1500km vor Buenos Aires auf der Halbinsel Valdes.



















In diesem maritimen Naturreservat mischten wir uns am Strand unter hunderte von Magellanpinguinen und konnten Seeloewenkolonien und Seeelefanten aus naechster Naehe beobachten. Gewohnt haben wir im Zelt am Hafen eines friedlichen Fischerdorfs, wo wir die Arbeit auf den Booten und das touristenfreie Dorfleben verfolgen konnten. Die o.g. Frage muessen wir allerdings auch in den weniger schoenen Augenblicken beantworten koennen, wenn wir mal wieder festsitzen weil wir krank sind oder nicht weiterwissen.
Unser Rezept in diesen Momenten sind unsere Listen, wie z.B. die Liste mit Dingen, die wir uns nicht erklaeren koennen, die Liste, warum wir nochmal wiederkommen muessen usw. Ein Problem kommt einfach auf die Liste und schon hat man den Kopf wieder frei - kann vielleicht sogar drueber lachen. Die Liste mit den Dingen, die wir nicht verstehen traegt bei uns intern den Titel ... that's Peru. Aktuell treffen wir immer wieder verstoerte Traveller, die von Chile rueberkommen, um nach Buenos Aires zu gelangen, da ihre Rueckfluege in Santiago ausgesetzt wurden; ebenso Wohnmobilfahrer, die von Versorgungsengpaessen, Strassensperren etc. berichten. So gesehen, wissen wir, was fuer ein Schweineglueck wir in den letzten Monaten hatten und geniessen unsere Moeglichkeiten ganz nach Udo Lindenberg... "alle Tage sind gleichlang, aber unterschiedlich breit".

4. März 2010

Angriff am Zeltplatz

Wir haben erst jetzt vom Ausmass der Erdbeben in Suedamerika erfahren, da wir wieder eine Woche in einem Nationalpark, diesmal in Chile, abgetaucht waren. In Torres del Paine, ueber 1000 KM suedlich vom Epizentrum haben wir nichts mitbekommen. Noch immer ueberschlagen sich hier im TV die Geruechte und Tickermeldungen mit Bildern von den angerichteten Schaeden, Pluenderungen, Interviews mit der Praesidentin, Einsatzkraeften usw. Wie schlimm das Chaos in den betroffenen Regionen ist, koennen wir nicht beurteilen, die Presse ist scheinbar stinksauer ueber verspaetete und falsche Massnahmen der Regierung. Gleichzeitig haben wir den Eindruck, dass die Haeuser und Infrastruktur in Santiago etc. relativ gut standgehalten haben. Wir sind in diesen Zeiten ganz froh mit unserem Zelt und suchen auch immer ein schattiges Plaetzchen, das nicht nach Schlammlawine oder Erdrutsch aussieht. Trotzdem haben wir bei der juengsten Tour einen Fehler gemacht, der sofort quittiert wurde: Aus einem Gefuehl heraus haben wir alle Vorraete und das Geschirr ueber Nacht mit ins Zelt genommen. Die Maus hats gecheckt und sich, wahrscheinlich mit Kaeseecken und Thunfisch vor Augen, durch unsere kostbare Zelthuelle genagt - kein Beinbruch fuer uns, denn Kinga weiss ja mit der Naehmaschine umzugehen. Ab sofort kommt der Kram nachts wieder an die Waescheleine.
Zum Thema Natur gehen uns langsam die Vokabeln aus. Obwohl auch dieser Nationalpark ein gefragtes Touristenziel darstellt, koennen wir uns mit dem Zelt Tag fuer Tag in einsamere Gegenden vorarbeiten und finden schliesslich noch unsere ganz private Kuh.

Tief im Inneren des Parks begegnen wir nur noch selten einem Amerikaner, die ansonsten die Refugios eingenommen haben, wo sie gewohnt lautstark auffallen u.a. damit, dass sie trotz der langen Tagesetappen morgens noch eine Fitnessunit mit leichtem Joggen am Berg dranhaengen. Dabei wird auf nichts gewohntes verzichtet z.B. wird die Nahrung komplett gefriergetrocknet aus den USA mitgebracht. Da lobe ich mir doch Kingas Puliszka (Polenta) von chilenischem Maismehl.

Schon seit einigen Tagen begegnete uns zudem immer wieder ein amerikanisches Paerchen, das mit ihren D&G Umhaengetaschen aufgefallen ist, bis wir ihr Secret gelueftet haben. Neben der Campingausruestung haben sie heimlich ihre zwei reinrassigen Minikoeter im Taeschchen - wir haben natuerlich paparazzimaessige Beweisfotos und fragen uns, wie sie die Suessen ueber die Grenze geschmuggelt haben?

25. Februar 2010

Die Oberkuh


Nach unserer kleinen Gletscherkunde wollten wir uns ein Superlativ nicht entgehen lassen. Ein Tagesausflug mit dem Reisebus zum Perito Moreno Gletscher war dafuer die pragmatischste Loesung.

Wir sahen die Mega-Kuh schlechthin, allein ihre Zunge ist 14 km lang und die Spitze 60-80 Meter dick. Wir haben viel Geduld mitgebracht und jawohl, das Warten hat sich gelohnt. Dieses Prachtexemplar hat gekalbt -


- beinahe haetten wir den Bus verpasst. Auf der Rueckfahrt herrschte Stille im Bus, hoffentlich ein Zeichen des Respekts vor der eindrucksvollen Macht der Natur...

24. Februar 2010

Tuerme und Kuehe

In Patagonien entwickelt sich unsere Reise immer mehr zur Campingtour. Nach 2 Naechten im Hostel in El Chalten sind wir mit unserem Zelt in den Nationalpark gefluechtet, ein 6000 Quadratkilometer grosses Gebiet mit 250 Gletschern. Das sind schon merkwuerdige Dinger, diese Gletscher und wenn man ueber sie spricht, wird es noch viel merkwuerdiger, oder warum heisst es die Gletscherzunge, die Gletschermilch und der Gletscher kalbt - ist der Gletscher vielleicht eine Kuh? Wir trinken morgens, mittags, abends kolloidales Gletscherwasser, frisch gemolken und versuchen die strengen Umweltregeln im Park einzuhalten d.h. Pipi mind. 100 Meter von jeglichem Wasser entfernt, gleiches gilt fuers Waschen und Geschirrspuelen - ich musste mal dringend meine Stinkefuesse im Bach waschen, da hatte ich tagelang schlechtes Gewissen.

Alle sind zum Thema Umweltschutz sehr enthusiastisch, gut so. Als Sahnehaeubchen gibt es eine beeindruckende Flora und Fauna zu sehen, zu hoeren, zu riechen und zu schmecken. Ueberall wachsen heidelbeeraehnliche Stauden, wie die Kraehenbeerenheide (Empetrum rubrum) mit ihren roten Fruechten, die die Gauchos liebevoll Murtilla de Magellanes nennen, wie hier eben alles den Beinamen Magellans traegt. An jeder Ecke steht ein Berberitzenstrauch namens Calafate (Berberis buxifolia) mit leckeren Blaubeeren - das ist eine Art Nationalpflanze und findet sich im Eis bis zum Schnaps ueberall auf der Speisekarte wieder. Unter den niedrigen Baeumen streifen wir jede Menge Bartflechten und Misteln; verwunschen, wie im Maerchenland ist das und macht riesen Spass, wenn an einem Baum ploetzlich ein Specht auftaucht - wir haben nachgeschlagen - Carpintero Patagonico, ein Magellanspecht.

19. Februar 2010

Ruta 40 a Sur

Weiter Richtung Sueden bringt uns der Bus auf der staubigen Cuarenta in 2 Tagen durch das Herz Patagoniens in das Bergsteigerdorf El Chalten. Unterwegs wird im Westen immer wieder die Andenkette sichtbar, der Rote Faden unserer Tour.Ueberall wird an der Asphaltierung der RN40 gearbeitet aber noch ist die Schotterpiste der ultimative Kult, wenn nach Stunden Fahrt durch die Einoede eine isolierte Tankstelle mit warmem Kaffe wie eine Oase erscheint und wir die Nacht rustikal in einem eigenartigen Truckerdorf verbringen duerfen. Danke, Burkhard, fuer Chatwins Patagonien Bibel, ist alles noch wie 1975.
Unterwegs besuchen wir in einem gruenen Canyon sagenhafte Hoehlenmalereien mit gefaerbten Handabdruecken die auf das Jahr 7300 v. Chr. zurueckgehen. Sie datieren massgeblich die Besiedlung des Kontinents und sind unter Kirchner, damals noch Gouverneur von Patagonien, als Unesco Weltkulturerbe anerkannt worden.
Die Busfahrt ist anstrengend, aber unser Bus und vor allem die beiden knallharten Fahrer halten durch. Andere haben da weniger Glueck und so stoppen wir immer wieder, um gestrandeten Autofahrern oder Bikern Hilfe zu leisten. Im Bus sitzen diesmal ausschliesslich Touris, wie wir, der ganze Globus ist vertreten und alle sind offensichtlich sehr diszipliniert in dieser unwirklichen Umgebung, jedenfalls geht man relativ ruhig und gelassen miteinander um, bestimmt nicht ganz einfach fuer jeden einzelnen. Kein Einheimischer waere so bloed freiwillig diese Tour auf sich zu nehmen. In El Chalten erwartet uns eine andine Maerchenkulisse, wir kommen aus dem Staunen nicht heraus, umgeben von Gletschern, rund um spitze Granitbloecke, wie Fitz Roy mit Puderzucker drauf. Da weiss man gar nicht wo man anfangen soll.

16. Februar 2010

Grenzwertig

Nach einer Woche abroad sind wir wieder zurueck in der Zivilisation.
Ueber 1000 km suedlich von Santiago beginnt das chilenische Fjordgebiet. Das war fuer uns die richtige Stelle, um bei spaetsommerlichen Temperaturen per pedes den Grenzuebergang nach Argentinien zu wagen. In einem Seengebiet zwischen 100 und 1000 Hoehenmetern ging es mit unserem Gepaeck, Vorraeten und Zelt auf dem Ruecken Richtung Osten.
In Google Maps sieht das ungefaehr so aus, die Strasse von Cochamo endet vor dem Lago Azul, weiter entlang dem Lago Las Rocas, Lago Inferior, Lago Puelo, El Bolson. Das war endlich die Nagelprobe fuer uns, kein Handysignal, befahrbare Strassen haben wir lange hinter uns gelassen, so arbeiteten wir uns Tag fuer Tag durch diese menschenleere gruene Natur. Wir folgten dabei einem schmalen Pfad, dem nahezu einzigen in der Gegend, was die Gefahr von Falschabbiegen reduzierte. Dieser verband in Tagesmaerschen wichtige Punkte wie Farmhaeuser, Bootsanlegestellen, Haengebruecken etc. miteinander.
Wir waren gerade lange genug in der Wildnis, um ein Gefuehl dafuer zu bekommen, dass hier die Sonne von Osten nach Norden nach Westen wandert, gewoehnungsbeduerftig! Unglaublich das viele Wasser hier und wie easy, du gehst zum Bach und trinkst, alles beste Trinkwasserqualitaet. Gleichzeitig waren die Flussueberquerungen ein immer wiederkehrendes Abenteuer fuer Kreative. Das Beste waren fest installierte cable cars, simple aber effektive Seilbahnen, handbetrieben, Augen zu und durch. Die eine oder andere baufaellige Haengebruecke allerdings haette ich uns gerne erspart...
Am 6. Tag erreichten wir endlich die chilenische Grenzstation, mitten im Wald, ein Aussenposten der Carabineros, eher eine Jagdhuette.
Hier hat ein freundlicher Beamter abends im Nirgendwo unsere Ausreiseformalitaeten abgewickelt und die Paesse mit dem Jaegerwappen der Carabineros abgestempelt, freu.
So geruestet zelteten wir die letzte Nacht in Chile, bevor es am naechsten Morgen mit einem Zodiac nach Argentinien ging. Die Ueberfahrt hat uns Xavier organisiert, ein Deutscher, der hier seit 14 Jahren mit seiner Familie eine Farm betreibt und mit CB Funk ausgestattet ist.
Am anderen Ufer nahm uns dann die Navy Argentinia in Empfang und der strenge Beamte wollte nun gar nicht verstehen, wo wir herkommen, warum der Ausreisestempel auf 14.02. datiert ist, wir aber erst am 15.02. zu ihm kommen. Wir haben versucht ihm zu erklaeren, dass wir alles latschen mussten und der Grenzposten, unser Zeltplatz und der Bootsanleger jeweils einige Stunden auseinander liegen. Irgendwann hat er es dann verstaendnislos aufgegeben und wir hatten den Einreisestempel der argentinischen Navy.
So sind wir jetzt in der Hippie Stadt El Bolson auf der Ruta 40, die straight nach Sueden durch Patagonien fuehrt, gelandet. Das nette Voelkchen hier verwoehnt uns besonders mit selbstgebrautem Bier aus eigenem Hopfenanbau, handgemachter Schokolade und Asado Grillfleisch. Ein guter Platz um sich von dem anstrengenden Grenzuebergang zu erholen.

5. Februar 2010

On the road again

Alles fing an mit der Enteisung der Tragflaeche unserer Boeing 747. Das war dann auch der Grund, warum wir den Anschluss nach Lima verpasst haben. Mit Dominoeffekt ist ebenso der Weiterflug zum Titicacasee geplatzt. Wir sind so auf unserem Flugmarathon im langweiligen Houston, Texas, gestrandet wo wir umgeplant haben, mit neuer Destination: Santiago de Chile yipee. Belohnt wurde dieser Entschluss mit einer super Arbeit von Walkabout Reisen, die ueber Nacht klasse Tickets bereitstellen und dem Umstand, dass der nagelneue LAN-Airbus von einem Senior Kapitaen geflogen wird, der nach 45 Dienstjahren mit uns seinen Abschiedsflug zelebriert - Party, fehlte nur der Looping ueber Santiago. In dem mondaenen Staedtchen, das uns freundlich mit Wolkenkratzern, Parks, U-Bahnnetz und rundum westlicher Struktur empfaengt bereiten wir unsere Weiterreise nach Patagonien vor.
P.S. Wir haben den Freischaltknopf fuer Kommentare gefunden: Ab sofort kann jeder auch unangemeldet und ohne Mitgliedschaft in irgendeiner Community einen Kommentar abgeben. Also ran an die Tasten...